Studieneignungstests aus Sicht der Teilnehmenden: aktuelle Ergebnisse aus der Akzeptanzforschung

Studierende strecken die Daumen hoch

Welche Auswahlkriterien bevorzugen (angehende) Studierende, wenn ein Auswahlverfahren für ein Studienprogramm durchgeführt wird? Fachspezifische Studieneignungstests stehen in der Präferenz von Studierenden ganz oben, wie frühere Befragungen zeigten (z.B. Stegt, Didi, Zimmerhofer & Seegers, 2018). Wir wollten es nun genauer wissen und haben über 2000 Teilnehmende an sechs verschiedenen Studieneignungstests nach ihrer Testteilnahme befragt und dazu einen etablierten Akzeptanzfragebogen aus der Personalauswahl verwendet und erweitert (Kersting, 2008).

Wir untersuchten die Gesamtakzeptanz, die Augenscheinvalidität, die Belastungsfreiheit sowie die Kontrollierbarkeit als etablierte Akzeptanzfaktoren, zu denen es bereits Referenzwerte aus der Personalauswahl gibt. Außerdem erfragten wir, wie gut sich die Teilnehmenden vorab informiert fühlten, wie gut sie die Konzentration aufrechterhalten konnten und wie sicher sie sich waren, dass mit ihren personenbezogenen Daten gut umgegangen wird. Ferner wollten wir wissen, ob Testgebühr, Testdauer, Ausmaß der Spezifität für das Studienfach und Durchführungsart (in Testzentren oder von zu Hause mit Videoüberwachung, dem sogenannten „Proctoring“) sich auf die verschiedenen Aspekte der Akzeptanz auswirken.

Fachspezifische Studieneignungstests werden besser bewertet als allgemeine Tests

Erfreulicherweise erhielten alle sechs Studieneignungstest überwiegend positive Bewertungen auf den erhobenen Skalen, die im Mittel besser waren als die Bewertungen, die wir von Tests aus der Personalauswahl kennen.

Je fachspezifischer ein Test war, desto besser wurde die sogenannte Augenscheinvalidität beurteilt (z. B. „Die Testaufgaben spiegeln Anforderungen wider, die auch im Studium gefordert sind.“). Die zwei allgemeinen Tests in unserer Stichprobe erhielten hier schwächere Bewertungen als die spezifischeren Tests. Die spezifischen Tests wiesen zudem signifikant bessere Werte in der Gesamtakzeptanz auf, auch wenn dieser Effekt kleiner war als bei der Augenscheinvalidität.

Weitere Faktoren wie „Vorabinformationen“ beeinflussen die Zufriedenheit von Teilnehmenden

Neben fachspezifischeren Tests bevorzugten Bewerbende kürzere Tests, die insbesondere bei der Belastungsfreiheit und dem konzentrierten Arbeiten besser beurteilt werden. Testteilnehmende legten außerdem Wert auf Vorabinformationen und Vorbereitungsmöglichkeiten. Mit Blick auf die Privatsphäre gaben fast alle Teilnehmenden positive Bewertungen ab. Bei zu Hause mit Proctoring durchgeführten Tests waren die entsprechenden Bewertungen allerdings etwas schwächer – 90 Prozent gaben positive Bewertungen ab, etwa 10 Prozent der Teilnehmenden waren hier kritischer. Proctoring-Testungen wurden insgesamt positiv bewertet, Durchführungen vor Ort in Testzentren schnitten insgesamt aber etwas besser ab.

Erstaunlicherweise hatten die zu zahlenden Gebühren kaum Einfluss auf die Akzeptanz. Kandidat:innen sind also durchaus bereit, für einen guten Test Geld zu bezahlen. Wir vermuten allerdings, dass auch die Spezifika der jeweiligen Auswahlsituation eine Rolle gespielt haben, denn die höchsten Gebühren in unserer Stichprobe fielen an einer privaten Hochschule an, die auch Studiengebühren erhebt. Wer sich dort bewirbt, hat vermutlich auch mit einer Auswahlgebühr kein Problem. Dennoch befürworten wir aus Gründen der sozialen Fairness niedrige Testgebühren, die vor allem dann möglich sind, wenn Hochschulen oder Ministerien sich finanziell beteiligen und einen Teil der Gesamtkosten tragen.

Die durchgeführte Studie wurde in einer sehr guten Masterarbeit unserer ehemaligen studentischen Hilfskraft Marek Denker dokumentiert und zur Veröffentlichung in einer internationalen Fachzeitschrift eingereicht (Denker, Schütte, Weppert, Kersting und Stegt). Die Ergebnisse geben wertvolle Hinweise für die Gestaltung von Studieneignungstests und können helfen, die Akzeptanz solcher Tests bei Bewerbenden zu verbessern.

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