Einige meiner Kolleg:innen stehen Denksportaufgaben in Auswahlverfahren eher skeptisch gegenüber. Wenn sie ohne klare Bewertungskriterien oder strukturierte Integration eingesetzt werden, können sie willkürlich und unfair wirken. Bei richtiger Gestaltung können Denksportaufgaben jedoch eine wertvolle Ergänzung zu strukturierten Interviews sein und wertvolle Erkenntnisse zu den kognitiven Fähigkeiten der Teilnehmenden liefern.
Warum (und wann) sind Denksportaufgaben sinnvoll?
- Kognitive Fähigkeiten sind eine wichtige Voraussetzung, die durch standardisierte Tests nicht vollständig bewertet werden kann.
- Sie sind kontextbezogen (z. B. medizinische Rätsel für die Zulassung zum Medizinstudium).
- Die Kandidaten verstehen die Bedeutung dieser Aufgaben in Auswahlverfahren, was auf die Akzeptanz einzahlt.
Eine gute Denksportaufgabe wäre zum Beispiel:
„Wie viele Lebertransplantationen werden im Durchschnitt pro Jahr in Land X durchgeführt?
Den Fokus auf Denkprozesse legen, nicht nur auf Lösungen
Im Gegensatz zu herkömmlichen kognitiven Tests zeigen Denksportaufgaben in Interviews, wie Kandidaten denken. Die Prüfer beobachten ihre Problemlösungsstrategien, ihre Anpassungsfähigkeit an neue Informationen und ihre Fähigkeit, Feedback zu integrieren – Faktoren, die in standardisierten Tests in dieser Form nicht gemessen werden können.
Daher werden die Kandidaten dazu ermutigt, laut zu denken, damit die Prüfer ihrem Gedankengang folgen können.
Der Schlüssel zum Erfolg? Training und Struktur
Bewähre Vorgehensweisen, um Fairness und Zuverlässigkeit zu gewährleisten:
- Schulung der Bewerter sowohl für die Durchführung als auch für die Bewertung der Antworten
- Konsistente Bewertungskriterien auf der Grundlage evidenzbasierter Auswahlprinzipien, in Form von verhaltensorientierten Bewertungsskalen zur Beurteilung von Problemlösungsstrategien
- Respektvolle und konstruktive Interaktionen zur Aufrechterhaltung des Engagements der Kandidaten
Richtig eingesetzt bieten Denksportaufgaben eine wissenschaftlich fundierte, dynamische Methode zur Bewertung der kognitiven Kompetenz in gesprächsbasierten Verfahren. Bei guter Integration schließen sie die Lücke zwischen strukturierten Interviews und kognitiven Bewertungen und verbessern so sowohl die Fairness als auch die Vorhersagegenauigkeit.